Stellungnahme der Fraktion Die Linke zur Olympiabewerbung Rhein-Ruhr

Die Linke im Rat der Stadt Bochum

Für den geplanten Ratsbürgerentscheid zur Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele an Rhein und Ruhr möchte die Stadt Bochum die Stellungnahmen der Parteien im Rat in einem Flyer veröffentlichen. Der Flyer soll den Bürgerinnen und Bürgern als Entscheidungsgrundlage dienen.

Unsere Stellungnahme

Die Linke ist nicht gegen die Olympischen und Paralympischen Spiele und schon gar nicht gegen die olympische Idee von Fairness, Frieden und Völkerverständigung. Die Erfahrungen früherer Austragungsorte zeigen jedoch, dass Olympische Spiele vor allem dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und großen Sportverbänden nutzen. Die ausrichtenden Städte bleiben dagegen häufig auf hohen Kosten und langfristigen Belastungen sitzen. Korruptionsskandale, restriktive Vertragsbedingungen sowie die geringe steuerliche Beteiligung des IOC verstärken diese Kritik. Außerdem zeigen die Erfahrungen früherer Gastgeberstädte, dass mit erheblichen Belastungen für Mieten, Verkehr, Klima und Umwelt zu rechnen ist.

Vor diesem Hintergrund lehnt die Bochumer Ratsfraktion Die Linke die Bewerbung NRWs ab.

Diese Ablehnung ergibt sich auch aus den Problemen der Rhein-Ruhr-Bewerbung, die nicht die Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erfüllt. Insbesondere die Anforderungen an Fahrzeiten und Entfernungen zwischen Olympischem Dorf und Wettkampfstätten sind aufgrund der Weitläufigkeit der Region unrealistisch. Ein Olympisches Dorf in Köln würde etwa Fahrten nach Dortmund im Stauland NRW regelmäßig über die zulässige Grenze von einer Stunde bzw. 50 Kilometern hinaus verlängern. Entsprechend hat sich der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke zuletzt für kompakte Spiele ausgesprochen, womit München als Favorit gilt.

Zuletzt fehlt ein Strategie- und Finanzierungskonzept. Das Rechnungsprüfungsamt Köln fordert zu Recht eine zeitnahe Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Die von Ministerpräsident Wüst genannten Prognosen von 4,8 Milliarden Euro Kosten erscheinen angesichts deutlich höherer Ausgaben früherer Spiele unrealistisch. Ein Gutachten aus München kommt zu dem Ergebnis, dass Investitionen von mehr als 20 Milliarden Euro notwendig sind. Angesichts von 17 beteiligten Städten und der größeren Ausdehnung der Region dürften die Kosten in NRW kaum niedriger ausfallen.

Statt sich auf prominente Sportstätten wie das Ruhrstadion oder das Lohrheidestadion zu konzentrieren, sollte Bochum unabhängig von Großereignissen die Sportstätten in der Breite stärken. Denn der Ausbau von Infrastruktur für professionelle Sportevents fördert den Breitensport nicht automatisch, sondern kommt häufig vor allem dem Profisport zugute.