Zum Hauptinhalt springen

Ratsrede Kinder- und Jugendförderplan: Gute Arbeit braucht gute Bedingungen

Die Linke im Rat der Stadt Bochum, Carolin Paskuda

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

 

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

 

liebe Gäst:innen,

 

 

 

wenn wir heute über den Kinder- und Jugendförderplan für die kommenden fünf Jahre sprechen, dann sprechen wir darüber, welche Möglichkeiten Kinder und Jugendliche in Bochum haben, Unterstützung zu bekommen und Gemeinschaft zu erleben.

Der Förderplan soll dafür den Rahmen schaffen. Er soll festlegen, welche Strukturen wir sichern, welche Schwerpunkte wir in den kommenden Jahren setzen und wie das ganze finanziell ausgestaltet werden soll.

Der hier vorliegende Plan ist dabei nicht nur aus unserer Sicht unzureichend, sondern auch aus Sicht derjenigen, die jeden Tag vor Ort mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Die AG 78 hat sich in ihrer Stellungnahme sehr deutlich zu dem Entwurf des Plans geäußert. Sie kommt zu dem Schluss, dass wesentliche Empfehlungen aus der Praxis nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Und ich finde, wir sollten diese Kritik ernst nehmen.

Die AG 78 verfügt über besondere fachliche Erfahrung. Die Menschen, die dort zusammenarbeiten, kennen die Einrichtungen, die Jugendlichen, die Probleme und auch die Grenzen unserer bestehenden Strukturen.

Und auch der Kinder- und Jugendförderplan selbst betont ja, dass Jugendhilfeplanung im Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und freien Trägern stattfinden und dass die anerkannten Träger der freien Jugendhilfe von Anfang an beteiligt werden sollen.

Wenn also diejenigen, die diese Arbeit jeden Tag leisten, uns sagen: An bestimmten Stellen reicht der Plan noch nicht aus – dann sollten wir uns als Politik und Verwaltung nicht einfach darüber hinwegsetzen.

Zu den genannten Kritikpunkten gehören die schlechte personelle und finanzielle Ausstattung kleiner Jugendfreizeithäuser, das fehlende Benennen der Gefahr durch Rechtsextremismus bzw. die AfD (siehe auch den vorliegenden Änderungsantrag der AfD, dem ich hier nicht weiter Raum geben möchte) und die Frage, wie wir mit den real steigenden Kosten umgehen.

Der Kinder- und Jugendförderplan soll für mehrere Jahre Orientierung geben. Er soll Fachkräften und Trägern Planungssicherheit geben. 

Deshalb finden wir auch die Anregung der AG 78 wichtig, den Plan stärker mit konkreten Handlungsempfehlungen für die kommenden fünf Jahre zu verbinden.

Dies führt zu unserem zweiten Kritikpunkt:

Ich weiß, dass Bochum finanziell unter großem Druck steht und wie schwierig die Haushaltssituation ist. Und wir wissen auch, dass viele Aufgaben miteinander um die gleichen begrenzten Mittel konkurrieren.

Aber gerade deshalb müssen wir über Prävention sprechen.

Wenn wir heute bei Kinder- und Jugendarbeit sparen, dann sparen wir ja nicht automatisch Geld. Wir verschieben die Kosten. Und in den meisten Fällen werden diese Kosten später dann erheblich größer.

Eine Investition in Bildung, Teilhabe und Selbstständigkeit ist letztlich auch eine Investition in die soziale Stabilität der Stadt Bochum.

Wir werden heute zustimmen.

Wir stimmen zu, weil der Kinder- und Jugendförderplan wichtig ist. Dennoch sind wir aber gleichzeitig der Auffassung, dass die fachlichen Hinweise aus der Praxis stärker berücksichtigt werden müssen und die Kinder- und Jugendarbeit finanziell besser ausgestattet werden muss.

Denn wir sollten mit dem Kinder- und Jugendförderplan gemeinsam dafür sorgen, dass aus finanziellen Zwängen nicht dauerhaft fachliche Unterversorgung wird.

 

Vielen Dank.

 

Zurück zum Kopf der Seite