Gegen Grillverbote durch Graslandindex

Die Linke im Rat der Stadt Bochum, Sonja Knobbe

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Sehr geehrte demokratische Kolleg:innen,

Sehr geehrte Bürger:innen,

Erst möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich es bemerkenswert finde, dass sich nicht alle hier im Raum als „demokratische Kolleg:innen" angesprochen fühlen. Die rechtsextremen Verdachtsfälle beschwerten sich ja in der letzten Ratssitzung. Aber nun denn - "Einsicht ist der erste Weg zur Besserung", wie meine Mutter immer sagt.

Nun zu unserem Änderungsantrag;

Wie wir ja alle wissen - nun ja, fast alle, von dem rechtsextremen Verdachtsfall hier mal abgesehen - leben wir in Zeiten der Klimakrise.

Und das bedeutet, dass die Grillsaison immer früher startet. Eine der ganz wenigen positiven Konsequenzen.

Eigentlich. Aber nicht in Bochum. Jedenfalls nicht für all jene, die keinen eigenen Garten zum Grillen haben.

Am Ümminger See soll das Grillen vollständig verboten werden. 

Aber das Problem ist ja noch viel umfassender. Denn faktisch ist das Grillen ja bereits in der gesamten Stadt  verboten. Es sei denn, es regnet gerade. Der Graslandfeuerindex - ein ganz schön sperriges Wort, wie sogar die Grünen zugeben - hat Bochum erobert. Im letzten Jahr wurde unter der rotgrünen Koalition die Regelung eingeführt, dass Grillen im öffentlichen Raum ab einem Graslandfeuerindex von Drei komplett verboten ist.

Deshalb haben alle Menschen, die keinen eigenen Garten mit einem dicken Gasgrill drin haben, nun leider Pech gehabt. Die Begründung für diese Regel lautet Brandschutz. Das ist natürlich richtig und wichtig.

Aber zum Glück gibt es da ja schon Regeln - wir dürfen sowieso nicht in der Nähe von Bäumen und Wäldern grillen, müssen die heiße Glut richtig entsorgen etc. Und wenn die Brandgefahr aufgrund von anhaltender Dürre steigt, ist Grillen sowieso überall verboten. Das hören wir dann im Radio und müssen dafür auch nicht extra den Graslandfeuerindex recherchieren. Also ist das alles schon geregelt, könnte man meinen. Ich kann mich auch nicht an ein Feuer erinnern, dass in den letzten Jahren in Bochum durch eine Grillparty verursacht wurde.

Warum also der Graslandfeuerindex? An dieser Stelle vielen Dank an Herrn Haardt von der CDU. Der hat uns die Frage im letzten Umweltausschuss bereits beantwortet. Die CDU finde den Graslandfeuerindex auch überzogen, dass sei nur eine vorübergehende Lösung, bis man die sogenannten Grill-Hotspots im Griff haben.

Ist das Ihr Ernst?!? Sie verbieten ganz Bochum das Grillen, weil zwei oder drei Plätze in Bochum Ihrer Meinung nach stören? Und was heißt ihr eigentlich stören? Ich durfte die Debatte ja schon im letzten Jahr verfolgen. Es stört eine Gruppe von Menschen, die neben diesen Plätzen wohnen. Die sprechen dann im Rat und im Umweltausschuss und in der WAZ und überall vor. Wessen Perspektive haben wir aber nicht gehört? Das ist die Perspektive der Menschen, die dort am Ümminger See oder auf der Schmechtingwiese eine gute Zeit haben. Die sich freuen, im öffentlichen Raum grillen zu können, weil sie zuhause eben nicht die Möglichkeit dazu haben.

Lieber Herr Haardt, ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen: Wir schaffen den Graslandfeuerindex ab und dann gehen wir mal bei schönem Wetter zusammen grillen und reden mit genau diesen Menschen. Für die wir auch Politik machen, auch wenn sie hier nicht dauernd auf der Matte stehen. Sie lassen Ihren Webergrill mal Webergrill sein. Ich hab noch einen kleinen Kugelgrill im Keller, den kann man auch prima auf dem Fahrrad transportieren. Herr Reinierkens kommt auch mit und Herr Pewny auch. Der kann uns bei der Gelegenheit dann gleich nochmal den Graslandfeuerindex erklären.

Wir packen uns ein paar Bier ein und hören uns die andere Perspektive an. Und dann finden wir - zusammen mit den betroffenen Menschen vor Ort - eine Lösung, die für alle passt. Das können wir auch alle zusammen machen und haben dabei noch eine gute Zeit. Naja, fast alle. Kein Bier für Na... Sie wissen schon.

Vielen Dank.