Ratsbürgerentscheid Olympia
Ratsrede von Elias Bala
Das Land und die Stadt möchten die Olympischen Spiele in die Rhein-Ruhr-Region holen, ein ambitioniertes Projekt.
Als ich die Vorlage dazu las, dachte ich: „Wo ist das Konzept?”
Möchten Sie tatsächlich damit den Bürger*innen unter die Augen treten? Mir kommt es vor wie das Skript für ein windiges Haustürgeschäft:
• Große Versprechen
• Unklare Kosten
• „Unterschreiben Sie hier“
• Details? „Kommen später“
Mir scheint, hier werden die Bürger*innen überrumpelt.
Zum Glück gibt es mittlerweile Mittel gegen solche Hard-Selling-Methoden: Informationen, das Internet und Suchmaschinen.
Eine kurze Recherche genügt, um festzustellen, dass die Olympischen Spiele seit 1960 im Durchschnitt 172 Prozent teurer waren als geplant. Dies ist in der Oxford Olympic Study nachzulesen. Die Spiele in Paris sollten 2023 noch 2,4 Milliarden Euro kosten, 2024 mussten tatsächlich 6,6 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt werden, also mehr als das Doppelte.
Das ist kein Pech, das hat System bei den Olympischen Spielen.
Das bei dieser Schuldenbremse umzusetzen, ist wohl unmöglich.
Aber Moment – die Vorlage sagt doch: "Keine öffentlichen Mittel benötigt"?
Ein Absatz später steht da: "Infrastrukturkosten lassen sich noch nicht beziffern."
Das ist keine Haushaltsplanung. Das ist Kaffeesatzlesen.
Das ist doch kein Konzept.
Es wird suggeriert, dass die Region von Olympia profitiert.
Aber wer kassiert? Das IOC durch
• Werbeeinnahmen
• Ticketeinnahmen
• Lizenzgebühren
• Sponsorengelder
Und das weitgehend steuerfrei. Während das IOC Milliarden verdienen würde, werden Bochum oder NRW davon nichts abbekommen. Wir sollen für das IOC die Infrastruktur aufbauen.
Gleichzeitig fehlt das Geld für Schulen, Sportstätten, Schwimmbäder und Jugendeinrichtungen.
Wie rechtfertigen Sie die Belastung des Haushalts, damit sich das IOC bereichern kann?
Auch hier gibt es kein Konzept.
Olympia bedeutet nicht nur Kosten für die Kommune und das Land.
Olympia bedeutet auch Verluste und Verdrängung für die Bürger*innen.
Im Jahr 2025 erschien eine Studie, die die sozialen Auswirkungen von Olympia untersuchte.
In London kam es 2012 zu extremen Mieterhöhungen von bis zu 200 Prozent im Olympiagebiet. In Barcelona wurden die Versprechen für bezahlbaren Wohnraum nicht eingehalten und in Paris wurden Obdachlose mit Gewalt vertrieben.
Die Studie von Lopes dos Santos und anderen kommt zu einem klaren Schluss:
Vertreibung und Gentrifizierung sind wiederkehrende und strukturelle Begleiterscheinungen Olympischer Spiele.
Wollen wir das für zwei Wochen Sport in Bochum und NRW zulassen?
Die Vorlage verspricht uns eine „nachhaltige Entwicklung” und „Inklusion”.
Die Realität in allen bisherigen Olympia-Städten ist jedoch: Verdrängung und Ungerechtigkeit.
Auch hier gibt es wieder kein Konzept, um Mieter*innen und vulnerable Gruppen zu schützen.
Kommen wir nun zur nächsten unbelegten Behauptung, nämlich dass der Breitensport nachhaltig profitieren könnte.
Allein das „könnte“ deutet an, dass das schwierig werden könnte. Es gibt keinen Beweis für diese Behauptung.
Kurzer Faktencheck:
Spitzensportevents führen nicht zu mehr sportlicher Betätigung in der breiten Bevölkerung. Das zeigt eine Metastudie von Lion und anderen aus dem Jahr 2022, in der 36 Studien untersucht wurden.
Und schauen wir uns doch mal an, was konkret für Bochum bei dieser Olympia-Bewerbung an Investitionen herausspringen würde:
Das Lohrheidestadion für den Modernen Fünfkampf.
Das Ruhrstadion für Fußball.
Das war's.
• Kein Geld für marode Sportplätze.
• Kein Geld für Schwimmbäder.
• Kein Geld für die Turnhallen, die dringend umfänglicher saniert werden müssen.
Zwei Prestigeprojekte bekommen Geld – der Rest geht leer aus.
Das ist keine Sportförderung.
Lassen Sie mich nun über das Jahr 2036 sprechen.
1936, fanden in Berlin die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Deutschland statt. Sie waren ein Propagandafest für den Nationalsozialismus.
Jetzt, 100 Jahre später, wollen Sie, dass Olympia erneut in Deutschland stattfindet. Daran wie das Wirken kann, wird kein Gedanke verschwendet und das in der Stadt, in der die Glocke für das Berliner Olympiastadion hergestellt wurde. In der Hitler erst am 9. November 1984 aus der Liste der Ehrenbürger gestrichen wurde. Sie haben richtig gehört: Erst 1984.
In der Vorlage selbst steht, dass das Jahr 2036 wahrscheinlich schon dieses Jahr vergeben werden würde. Es kommt also gar nicht mehr infrage. Warum also für dieses hochproblematische Jahr bewerben?
Darauf gibt es keine Antwort.
Man müsste sich dieser historischen Verantwortung stellen. Auf der Bewerbungswebsite und in dieser Vorlage findet sich dazu kein Wort.
100 Jahre nach den Nazi-Spielen: Null Zeilen zur historischen Verantwortung.
Auch hier fehlt ein Konzept.
Zu guter Letzt:
NRW erfüllt die Voraussetzungen für eine Bewerbung überhaupt nicht.
Fragen Sie mal die Pendler:innen, ob man aus Köln bis nach Dortmund in weniger als einer Stunde kommen kann? Mit der Deutschen Bahn wird das wohl kaum möglich sein.
Die Vorgabe für die Reisezeiten bei Olympischen Spielen beträgt aber weniger als 60 Minuten bzw. weniger als 50 Kilometer. Selbst bei einer fahrplanmäßigen Reise, die selten genug vorkommt, ist das nicht möglich.
Die Bahn bis zu den geplanten Jahren auszubauen, ist – und das ist keine Übertreibung – unmöglich.
Und damit sind wir wieder beim ursprünglichen Punkt: Es gibt kein Konzept.
Hinzu kommt, dass das IOC immer wieder in Korruptionsskandale verwickelt war.
Mit einem solchen Partner wollen wir keine Geschäfte machen!
Und trotzdem werden wir jetzt für den Bürger*innenentscheid stimmen.
Denn wir sind dafür, dass die Bochumer*innen sich in einem demokratischen Prozess mit Olympia und seinen Auswirkungen auseinandersetzen können.
Für Die Linke überwiegen die Nachteile:
• Kostenexplosion statt solider Haushalt
• IOC-Profite statt städtische Einnahmen
• Verdrängung statt Inklusion
• Zwei Prestigeprojekte statt breite Sportförderung
• Null historische Verantwortung
Aber diese Entscheidung muss demokratisch getroffen werden. Von den Menschen, die hier leben. Die hier arbeiten. Die die Konsequenzen tragen werden.
Deshalb stimmen wir für den Bürgerentscheid. Damit die Bochumer*innen informiert Nein sagen können.
Liebe Kolleg*innen,
Olympia ist:
• Ein korrupter Zirkus
• Ein Verschiebebahnhof für öffentliche Gelder
• Ein Verdrängungsprogramm gegen Arme
• Ein Fest für Konzerne
Sagen wir beim Bürger*innenentscheid „Nein“.
Nicht, weil wir gegen Sport sind.
Sondern weil wir FÜR Sport sind.
Investieren wir in unsere Stadt - nicht in das IOC und seine Sponsoren.
Danke.

